Bühnenwatch beim Deutschen Theater Berlin

Hier ist der Stand in der anti-blackface Diskussion mit dem Deutschen Theater – am 21.3. wird es sich im Ergebnis weisen, wie ernst das DT die Kritik nimmt: dann ist die nächste Aufführung von “Unschuld”.

Ihre Kritik am Einsatz von blackface erläuterten am Dienstag, den 13. März 2012, Vertreter_innen von Bühnenwatch im Gespräch mit dem Deutschen Theater. Anlass ist der Auftritt zweier schwarz geschminkter weißer Schauspieler in der Inszenierung „Unschuld“ von Michael Thalheimer. Bühnenwatch erläuterte im Gespräch ausführlich die gegenwärtig immer noch bestehende rassistische Konnotation von blackface, die auch nicht (von weißen Theatermacher_innen) umgedeutet und dann als anti-rassistisches Mittel verwendet werden kann. Die Absicht der Inszenierung, über Rassismus zu reflektieren und die weiße Sicht auszustellen, wurde von Bühnenwatch als positives Anliegen wahrgenommen. Dass „Unschuld“ dieser Absicht nicht Genüge getan hat, hat das Theater, das von Ensemblemitgliedern, Dramaturgie und Intendanz vertreten wurde, akzeptiert. Durch die Einladung an Bühnenwatch hatte es bereits Gesprächs- und Lernbereitschaft signalisiert, die in der Diskussion noch einmal deutlich wurden. Auch die Aufforderung, sich als Theater durch Seminare, Workshops etc. zum Thema Rassismus weiterzubilden, wurde als Vorschlag positiv aufgenommen.

In der Diskussion bezog sich das Deutsche Theater immer wieder auf die Idee der „Kunstfreiheit“, die durch ein Weglassen des blackface gefährdet sei. Bei diesem häufigen „Gegenargument“ scheint das Bewusstsein für die grundsätzliche Problematik von Herrschafts- und Machtverhältnissen nicht präsent. Weil auf ein rassistisches Mittel verzichtet wird, endet nicht die Kunstfreiheit. Zweitens stellt sich nach wie vor die Frage, wer in welcher privilegierten Position sich anmaßt zu definieren, welche Mittel angemessen sind, und wer zu akzeptieren hat, dass er_sie dadurch entwürdigt wird. Bühnenwatch wies darauf hin, dass auch der „freie“ Raum der Kunst mitnichten frei ist, weil er sich in gesellschaftspolitischen Strukturen befindet, in ihnen agiert, weil alle daran Beteiligten, durch Sozialisation geprägt, eine Sichtweise haben, die nicht in der Lage ist, „neutral“ zu urteilen.

Letztlich geht es darum, als Theater die Verantwortung zu übernehmen und sich zu entscheiden, welche Art von Theater produziert werden soll: eines, in dem die dominante Sichtweise unter dem Deckmantel der „Kunstfreiheit“ weiterhin die Perspektive derjenigen, die von Ausschluss betroffen sind, als unwesentlich und theaterfremd ignoriert – oder eines, das dem eigenen Anspruch, Machtverhältnisse wie Rassismus kritisch zu reflektieren, gerecht wird und nicht länger die Deutungshoheit für sich beansprucht – sondern die Begrenztheit der eigenen Wahrnehmung anerkennt und deshalb davon Abstand nimmt, Schwarzen Menschen zu erklären, wann und wodurch sie entwürdigt werden.

Das Deutsche Theater will nach dem Gespräch zu einer Entscheidung darüber kommen, ob die nächste Aufführung mit blackface stattfindet oder ohne. Dieser Termin ist der 21. März – der Internationale Tag gegen Rassismus. Nach der Vorstellung soll außerdem ein Publikumsgespräch mit den Schauspieler_innen stattfinden. Bühnenwatch fühlt sich durch das Gespräch in der Hoffnung bestärkt, dass das Deutsche Theater sich bereit sieht, einen wichtigen Schritt in der Ächtung rassistischer Darstellung und der Anerkennung der Perspektive Betroffener zu tun – und „Unschuld“ zukünftig ohne blackface aufzuführen.

Nächste Aufführung von „Unschuld“
Mittwoch, 21. März 2012 um 20.00 im Deutschen Theater
Schumannstr. 13a, 10117 Berlin
Anschl. Publikumsgespräch – Bühnenwatch wird anwesend sein

5 thoughts on “Bühnenwatch beim Deutschen Theater Berlin

  1. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Offline-Feminismus, Dickenfeindlichkeit und männliche Dominanz bei Twitter – die Blogschau

  2. Pingback: 21.03.2012 | Berlin – LIMA: Über die Sarrazindebatte hinaus | Edition Assemblage

  3. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Heute Zeichen setzen gegen Rassismus

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *