Unsere Stellungnahme zur Sendung auf Deutschlandradio Kultur am 13.04.2012

Am 13.04. 2012 sendete Deutschlandradio Kultur die Sendung “Wenn Weiße Schauspieler Schwarze spielen: Die Blackfacing-Debatte aus Deutschland”, bei dem sich der hausinterne „Theaterkritiker“ Michael Laages völlig unfundiert und unkorrigiert zum Thema Blackfacing auslassen durfte. Bemerkenswert war auch die Position des Moderators. Gleich zu Beginn offenbarte er, dass er nur wenig Verständnis für die Diskussion hat (und damit seiner journalistischen Verantwortung nicht gerecht wird).

Hier nun eine Richtigstellung der falschen Einschätzung der aktuellen Blackface-Debatte, eine kurze Einführung zum wirklichen Ursprung von Blackface und zur Situation Schwarzer Schauspieler_innen und Schauspieler_innen of Color an deutschen Theaterbühnen:

Auf die Frage, ob mit der Kritik an Blackfacing ein Missstand aufgezeigt, oder übertrieben political correct „Rassismus geschrien“ wird, verweist Herr Laages gleich zu Beginn des Interviews auf einen Missstand, den es angeblich nur in anderen Ländern, aber nicht in Deutschland gibt. In diesen (welchen eigentlich? Anm. der Red.) sei Blackfacing ein Missstand, da es dort eine nennenswerte Minderheit oder gar Mehrheit von Schwarzen Schauspieler_innen gibt, und somit kein Grund bestünde, zu blackfacen. Seines Wissens nach sei das in Deutschland nicht der Fall, sondern es bestünde eher eine Unterbesetzung an Schwarzen, (er korrigiert sich) Farbigen (sic!) Schauspieler_innen. Der eigentliche Missstand in Deutschland sei, dass hier auf jede noch so „abgedrehte“ Debatte aufgesprungen würde, die aus den USA zu uns herüber schwappt, und wir uns damit massiv lächerlich machen.

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Lesenswerter Artikel: “Die alte Schwarzweiß-Malerei” von Lars von der Gönna

Liebe Freund_Innen von Bühnenwatch!                                                                                       Lars von der Gönna hat einen Artikel über die Unterrepräsentation Schwarzer Schauspieler_Innen sowie von Schauspieler_Innen mit Migrationshintergrund im weitesten Sinne geschrieben, den wir Euch  empfehlen. Publiziert wurde er im Der Westen.

 

“Sie haben eine Ausbildung wie ihre blassen blonden Kollegen auch. Wenn es aber an die Rollen geht, gehen bei Film- und Fernsehproduzenten immer wieder die alten Schubladen auf. Schauspieler beklagen, dass die multikulturelle Gesellschaft Deutschlands weder auf der Bühne noch auf der Leinwand angekommen ist.    …    ”

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arte – metropolis – über “Label Noir”, Ballhaus Naunynstrasse & die Blackface Debatte

Am 14.4.2012  lief im Rahmen der Sendung metropolis auf arte ein positiver Beitrag zur aktuellen Blackface Debatte und postmigrantischem Theater:

 „Postmigrantisch“ bezeichnet die Migranten der zweiten und dritten Generation, die den Migrationsprozess nicht selbst erfahren haben, sich in ihrem Alltag und ihren Lebensentwürfen aber damit auseinandersetzen. Zum Beispiel das Berliner „Ballhaus Naunynstraße“ unter der Leitung der bekannten Theatermacherin Shermin Langhoff.

Hier werden Stücke aufgeführt, die sich grundsätzlich mit Identitäten und Lebenswelten auseinandersetzen, die längst zur deutschen Realität gehören, aber größtenteils keine Repräsentationen auf den etablierten Bühnen finden. Ein weiteres Beispiel ist das gefeierte Berliner afro-deutsche Theaterensemble „Label Noir“. Ehrenamtlich reisen sie durch Deutschland, aktuell mit dem selbstgeschriebenen Stück „Heimat, bittersüße Heimat.“ Nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen: so geht’s doch auch!

Weiterlesen kann mensch auf der Website von arte, wo es auch ein exklusives halbstündiges Interview mit Ulrich Khuon, dem Intendanten des Deutschen Theaters Berlin, zu u.a. Bühnenwatch, Blackface und der Situation am Theater zu sehen gibt: http://www.arte.tv/de/Aktuell–Das-Deutsche-Theater-sieht-weiss-undoder-Schwarz/6588478.html

 
Die komplette Sendung wird am 16. 4. 2012 UM 23.50 UHR wiederholt und ist laut Sender ab 1.Mai bei arte +7 verfügbar. 

Deutschlandradio Interview I – Erste Stellungnahme zur Deutschlandradio-Kultur Sendung über Blackface

Am 13.4. wurde die Sendung “Wenn weiße Schauspieler Schwarze spielen: Die Blackfacing-Debatte aus Deutschland” auf Deutschlandradio Kultur ausgestrahlt. Wir sind entsetzt und enttäuscht über das Interview mit Michael Laages.

Kaum ein rassistisches Klischee zur Blackface-Debatte wurde – unter Zustimmung des Moderators – vom “Experten” Laages ausgelassen. Die aktuelle Debatte und ihr historischer Kontext wurden uninformiert und verzerrt dargestellt. Kritische Positionen zu Blackfacing kamen nicht vor, bzw. wurden lächerlich gemacht. Die Diskriminierungserfahrungen Schwarze Schauspieler_innen im deutschen Schauspielbetrieb wurden von Laages verleugnet und unsichtbar gemacht und somit die Notwendigkeit von Blackfacing begründet. Die Perspektiven Schwarzer Menschen in Deutschland wurden auf unverschämte Weise infrage gestellt und lächerlich gemacht. Er verwendete darüber hinaus wiederholt rassistische Begriffe.

In den nächsten Tagen werden wir dazu ein ausführlicheres Statement abgeben, bis dahin freuen wir uns, wenn Leute Deutschlandradio Kultur Feedback geben unter:
hoererservice@dradio.de

Das Interview ist hier nachzuhören (content warning!):
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/04/13/drk_20120413_1609_2b45bff7.mp3